Wie funktionieren die Jeux Dramatiques? Die Methode – der spielerische Weg, sich zu erleben
Die Teilnehmer der Jeux Dramatiques lernen, eigene Emotionen, Erlebnisse und innere Bilder spielerisch auszudrücken.
Das passiert, indem sie selbst gewählte Rollen verkörpern und eine – von der Spielleitung gelenkte und begleitete – Handlung entwickeln. Das eigene Spiel ist in das von der gesamten Gruppe getragene Geschehen eingebettet.
Nonverbal, ohne Publikum und Bewertung unterscheiden sich die Jeux Dramatiques deutlich vom klassischen Theaterspiel. Die Spielenden haben weder Vorgaben noch müssen sie Erwartungen erfüllen und folgen der eigenen Intuition. Ziel der Jeux Dramatiques ist das persönliche Erleben, befreit von der Angst, Fehler zu machen.
Selbstwahrnehmung, Kreativität, emotionale Kompetenz und Persönlichkeit werden gestärkt. Soziale Fähigkeiten, wie Empathie, Toleranz, Kommunikation und Kooperation werden gefördert.
Die Spieler erleben Momente packender Intensität.
Die Medien – mit kleinen Dingen Großes bewegen
Verschiedene literarische Gattungen geben den Jeux Dramatiques Impulse: Märchen, Bilderbücher, Lyrik, Kurzgeschichten, Gedichte, Meditationstexte oder Bibelgleichnisse. Auch Musik, Werke der bildenden Kunst, Träume, persönliche Gegenstände und freie Assoziationen können zum Spiel einladen.
Die Jeux Dramatiques basieren auf Körperbewegung, Mimik und Lautbildung der Spieler. Spontane Verkleidung mit Tüchern, Hüten oder anderen Hilfsmitteln sowie die improvisierte Raumgestaltung unterstützen das Spiel. Kein opulentes Bühnenbild oder raffiniertes Kostüm überlagert den Ausdruck.
Rhythmus- und Klanginstrumente sowie die Stimme als Vokalinstrument erweitern die Möglichkeiten des individuellen Ausdrucks.
Die Wirkungen der Jeux Dramatiques entwickeln sich im Spiel – im Vordergrund steht das Erleben!
Die Pädagogik der Jeux Dramatiques
In nachfolgendem Beitrag werden pädagogische Aspekte der Methode Jeux Dramatiques ausgeleuchtet. Er zeigt Schnittstellen zu anderen Wissenschaftsbereichen wie Gehirnforschung und Neurobiologie, Psychologie, Soziologie und Politikwissenschaft auf.
Autoren:
Heidi Frei, Eglisau
Birgit Jung, Bad Kreuznach
Das Hauptziel der Pädagogik der Jeux Dramatiques ist die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit des Menschen.
In den Ausdrucksspielen erlebt der Mensch unendlich viele Facetten seiner Persönlichkeit. Er erlebt und erkennt sich selbst in seinen vielfältigen Aspekten und nimmt eine Bestimmung seiner Lebensposition im dynamischen, spiegelnden und dialogischen Prozess mit einer Gruppe vor. Er sensibilisiert und steigert seine Erlebnisfähigkeit mit Hilfe all seiner Sinnesorgane und lernt das Erlebte durch Mimik, Gestik und Laute auszudrücken. Es werden ganzheitliche Entwicklungsprozesse angeregt, an denen selbstverständlich auch Menschen mit Beeinträchtigungen gleichberechtigt teilhaben können. Die Jeux Dramatiques stoßen die Entwicklung von Selbstverantwortung und Autonomie an. Die Spielenden lernen Verantwortlichkeit im Rahmen einer Gruppe zu übernehmen. In multikulturell geprägten Gruppen vollziehen sich integrative und interkulturelle Lernprozesse.
Es vollziehen sich Individuation und gesellschaftliche Integration eines Menschen im dialogischen Prozess.
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